Dass Unternehmen durch die Nutzung von Billigfliegern sparen können, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Doch wie groß deren Auswirkung auf die Flugkosten tatsächlich ist, zeigen nun erstmals Zahlen der Unternehmensberatung Feisel Consulting.
Das Ergebnis: Auf Flugstrecken, die neben Liniencarriern auch von Low-Cost-Airlines bedient werden, schaffen es die Firmen, ihre Flugkosten stärker zu drücken als dort, wo nur Linienflieger abheben.
Beispiel Düsseldorf-Moskau: Auf der Strecke hat der beste Travelmanager von 72 untersuchten Firmen in den ersten neun Monaten 2007 einen Durchschnittsflugpreis erzielt, der um sage und schreibe 88,7 Prozent unter dem Iata-Business-Class-Jahrestarif lag. Sprich, im Schnitt sind seine Reisenden in der Economy zu nicht einmal zwölf Prozent der Kosten des Business-Class-Full-Fare geflogen. "Durch Firmenraten sind derartige Ersparnisse nicht erzielbar", weiß Liane Feisel, Chefin von Feisel Consulting. Das gehe nur durch "konsequentes Ausschöpfen der Marktpreise".
Wettbewerb: Ab Frankfurt beispielsweise konnten Firmen eine derartige Ersparnis nicht erreichen. Hier kam der beste Travelmanager für die Moskau-Strecke auf 54,1 Prozent des Business-Full-Fare. Der Grund laut Liane Feisel: Düsseldorf-Moskau ist eine Wettbewerbsstrecke, Frankfurt-Moskau wird nur von den Liniencarriern bedient.
Feisel relativiert zwar: Der Preisindex Flug (PIF) zeige nur "Tendenzen" auf und erhebe "keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit". Doch die Analysen von 30 europäischen Flugstrecken auf Basis der echten Zahlen von 72 Firmen zeigt deutlich: Überall dort, wo Billigflieger unterwegs sind, schaffen es die Firmen, höhere Einsparungen zu erzielen.
Abflughäfen. Und so ist auch generell ab Köln-Bonn oder Düsseldorf mit ihrem breiten Low-Cost-Angebot mehr potenzielle Ersparnis drin als etwa ab Frankfurt oder München. Feisel rät daher Firmen, die beispielsweise zwischen Frankfurt und Köln liegen, sich eher Richtung Köln zu orientieren.
Buchungsverhalten. Es sind aber wesentlich mehr Faktoren, die den Preisindex Flug beeinflussen, etwa Buchungsverhalten, Einkaufsverhalten oder die Reiserichtlinie. Wer früh bucht fliegt billiger: Diese Regel gilt quasi durch die Bank. Die Bestwerte im Benchmark hätten Firmen nur erreicht, weil sie im Schnitt acht Tage vorher gebucht hätten, so Feisel. Ihr Tipp: Buchen, sobald der Termin steht.
Einkaufsverhalten. Auch die Einkaufsstrategie ist wichtig. Nur weil Firmenraten ausgehandelt wurden, müssen diese nicht immer gebucht werden. Feisels "goldene Regel" lautet sogar: Marktrate vor Firmenrate. Auf Wettbewerbsstrecken mit "attraktiver Preisvielfalt" sei die "optimale Ausschöpfung des Marktes" ein Erfolgsgarant für günstigen Flugeinkauf. Firmenraten dagegen sollten nur als "ultima ratio" auf Monopolstrecken zum Einsatz kommen.
Reiserichtlinie. Es sei ein "eklatanter Unterschied, ob man kontinental Business oder nur Economy erlaubt", sagt Liane Feisel. In ersterem Fall sei ein PIF-Wert von 15 Prozent recht gut. Im zweiten Fall wäre er eine "Katastrophe". Denn er würde bedeuten, dass überwiegend teure Economy-Flex-Tarife genutzt würden. Sprich: Die alleinige Regelung, dass auf Europa-Strecken Economy geflogen werden muss, sorgt nicht automatisch für nennenswerte Einsparungen. Vielmehr muss eine strikte Best-Buy-Politik vorgegeben werden. Eine einmalige Optimierung von Reiserichtlinie und Einkaufsstrategie ist zudem kein Selbstläufer, denn Flugstrecken und Reiseverhalten ändern sich. Wer dauerhaft günstig einkaufen will, muss laut Feisel den idealen Mix aus Low-Cost- und Liniencarriern immer wieder neu definieren.
Der Preisindex Flug: Der Preisindex Flug (PIF) ist eine von Feisel Consulting entwickelte Kennzahl zur Analyse des Flugeinkaufs. Der PIF errechnet sich aus der Differenz des sog. 100%-Flugumsatzes (=Bezugsgröße, bewertet zum IATA-Business-Class-Jahrestarif) und dem tatsächlichen Flugvolumen eines Unternehmens und gibt an, um wieviel Prozent unter dem 100%-Preis eingekauft wurde.
| Best Practice in der Economy-Class (Jan. bis Sep. 07) | Preisindex Flug (PIF) | ||||||
| von/nach | London | Mailand | Moskau | Paris | Wien | Zürich | PIF im Mittel |
| Düsseldorf | 74,9% | 78,8% | 88,7% | 74,4% | 81,6% | 76,0% | 79,1% |
| Frankfurt/Main | 55,0% | 53,2% | 54,1% | 49,8% | 64,3% | 56,8% | 55,5% |
| Hamburg | 73,8% | 55,6% | 54,5% | 50,7% | 63,5% | 68,7% | 61,1% |
| Köln/Bonn | 81,1% | 65,4% | 82,1% | 76,9% | 82,1% | 78,6% | 77,7% |
| München | 47,4% | 43,7% | 74,6% | 65,4% | 52,1% | 54,2% | 56,2% |
Quelle: Flugdatenbank Feisel Consulting; Panel: 72 Unternehmen; dunkel hinterlegte Felder kennzeichnen Monopolstrecken (d.h. kein Low-Cost-Angebot)
Text: Jürgen Baltes. In: Der Mobilitätsmanager;
Ausgabe 11.07; November 2007; Seite 11