Die Nachrage nach Geschäftsreisen zieht wieder an. Die Unternehmen lockern die Beschränkungen - aber nur ein wenig.
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... Das bedeutet aber nicht, dass jetzt jeder machen kann, was er will - für die Reisekosten gilt weiterhin ein strenges Regiment", sagt Liane Feisel, Inhaberin der auf Reisemanagement-Themen spezialisierten Beratungsfirma Feisel Consulting in Hamburg.
Der Geschäftsreisemarkt war schon gleich zu Beginn der Wirtschafts- und Finanzkrise im Herbst 2008 schwer unter Druck geraten. Branchenübergreifend wurden Reiseetats gekappt, in vielen Firmen mussten Dienstreisen von der obersten Geschäftsführung genehmigt werden. Etliche Konzerne erließen sogar ein allgemeines Reiseverbot für ihre Mitarbeiter. Und wer noch reisen durfte, der musste sich in Bescheidenheit üben. ...
... Die Reduktion des Reisevolumens war zwar die häufigste Antwort auf die Krise - aber nicht die einzige: Zwei Drittel aller Unternehmen ersetzen nach den Ergebnissen der VDR-Analyse vor allem interne Meetings durch Video-, Web- oder Telefonkonferenzen. Die Hälfte setzte den Rotstift zudem bei Veranstaltungen an. "Messeauftritte und -besuche wurden eingeschränkt, Kundenveranstaltungen verschoben", sagt Beraterin Feisel. ...
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Doch auch da, wo die Travel Manager ihren Langstreckenreisenden mit Ziel USA, Südamerika oder Asien mittlerweile wieder den Flug in den komfortableren Business-Fauteuils erlauben, bleiben die Maßstäbe streng. "Manche Firmen haben ganz neue Regeln aufgestellt, da sind Businessclass-Flüge beispielsweise nur erlaubt, wenn die Flugzeit mindestens sechs Stunden dauert und am Ziel höchstens zwei Übernachtungen vorgesehen sind", sagt Beraterin Feisel.
REISEN WERDEN WIEDER TEURER
Das restriktive Vorgehen ist durchaus angebracht. Zwar hat die Krise den Reisemanagern insgesamt mehr Gewicht verschafft, weil mittlerweile auch Vorstände erkannt haben, dass selbst kleine Änderungen der Reiserichtlinie sofort Einfluss auf den Cash-Flow der Unternehmen haben. Doch die Sparbemühungen wurden durch einen Preisverfall bei Fluggesellschaften und Hotels unterstützt.
Mit dem Wiederanziehen der Nachfrage ist dieser Entlastungseffekt perdu - Reisen werden wieder teurer. "Die Flugtarife steigen auf breiter Front, vor allem auf bestimmten, gut ausgelasteten Strecken nach Asien und auf Verbindungen, wo die Lufthansa ohne Konkurrenz fliegt", sagt Beraterin Feisel. Ebenfalls kostentreibend wirkt sich für die Reisemanager der gegenwärtige Trend in der Luftfahrt aus, immer mehr Leistungen aus dem Basistarif auszugliedern und schon für kleinste Leistungen Extragebühren zu berechnen. ...
Doch auch mittelständische Unternehmen ohne Veranstaltungsbereich und mit geringeren Reiseetats haben in aller Regel die Möglichkeit, ihre Ausgaben zu senken. "Ausgehend von den Regelungen in der Reiserichtlinie erarbeiten wir eine Matrix mit verschiedenen Szenarien und leiten daraus unterschiedlich hohe Kosteneinsparungen ab", erklärt Beraterin Feisel das Vorgehen.
Dazu rechnen sie und ihre Kollegen zum Beispiel hoch, was ein vollständiges oder teilweises Umsteigen von der Business- in die Economy Class bringt, wie sich eine längere Vorausbuchung - etwa von Flügen zu Messen oder anderen lange im Voraus feststehenden Terminen - auswirkt, was sich mit einem Wechsel von einer Fluggesellschaft auf eine andere sparen lässt oder wie viel die Einführung eines Online-Buchungsprogramms bringt.
"Erfahrungsgemäß kommen wir dabei immer auf eine Ersparnis im zweistelligen Prozentbereich", so Feisel, "ohne Abstriche bei der Reisequalität."
Autor: Hans-Jürgen Klesse; In: WirtschaftsWoche; Ausgabe Nr. 39; 27.9.2010; S. 88 ff.