Halbe Miete

Trotz rückläufiger Konjunkturentwicklung steigt die Zahl der Geschäftsreisen. Für die Unternehmen wird es immer schwieriger, die Kosten zu bremsen.

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Preistreibend wirkt schließlich auch die Angebotsverknappung - etliche Luftverkehrsgesellschaften haben schlechter ausgelastete Strecken aus dem Flugplan gestrichen, in den USA mussten einige Airlines den Flugbetrieb wegen finanzieller Probleme ganz einstellen. "Jede Pleite und jede Übernahme eines Mitbewerbers durch einen Konkurrenten bedeutet tendenziell höhere Preise", sagt Liane Feisel vom Beratungsunternehmen Feisel Consulting aus Hamburg.

Auch das sogenannte Vorzugspreismodell der Deutschen Lufthansa könnte sich demnächst preistreibend auswirken: Um die eigenen Vertriebskosten zu senken, erhebt die Lufthansa für bestimmte Tarife zusätzliche Gebühren, sofern die Buchung über Amadeus erfolgt, das in deutschen Reisebüros meistgenutzte Reservierungssystem. Bis Jahresende erstattet Amadeus diese Gebühren zwar noch, "auf Dauer müssen Firmenkunden aber damit rechnen, dass Buchungen über Reservierungssysteme zusätzliche Kosten verursachen", sagt Beraterin Feisel.

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Gegen die Aufblähung ihrer Reisebudgets können die Unternehmen nur wenig machen. "Innerdeutsch und auf manchen europäischen Destinationen steigen viele auf die Bahn um", sagt CWT-Managerin Eggler. Beraterin Feisel empfiehlt den Travel Managern außerdem, auf die Reisenden einzuwirken, damit die ihre Flüge nicht erst in letzter Minute und zu Höchsttarifen buchen: "Bei einem unserer Kunden hat eine nur fünfprozentige Erhöhung der Frühbucherquote zu einer Senkung der Flugkosten um mehr als sieben Prozent geführt - wenn den Reisenden das klargemacht wird, ist das schon die halbe Miete."

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Wesentlich wirksamer als solche Detaillösungen ist allerdings ein anderes Instrument, das inzwischen die meisten Unternehmen entdeckt haben: die Reisevermeidung. "Wir katalogisieren für einen großen Kunden Reiseanlässe und bewerten deren Notwendigkeit", erklärt Beraterin Feisel das Konzept, "dabei haben wir herausgefunden, dass rund fünf Prozent aller Flugreisen auf firmeninterne Meetings entfallen, die sich in vielen Fällen auch gut durch Video- und Telefonkonferenzen ersetzen ließen."

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Text: hans-juergen.klesse@wiwo.de. In: Wirtschaftwoche; Ausgabe Nr. 39; 22.9.2008; Seite 88

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