Unternehmen sollen jetzt neu ausschreiben, statt auf Online-Buchung umzustellen. Denn die Reisebüro-Gebühren sind so niedrig wie nie zuvor, so die Travel-Beraterin.
In der Krise stellen manche Unternehmen, die bislang übers Reisebüro gebucht haben, aufs Internet um - aus finanziellen Erwägungen. Was lässt sich online wirklich sparen?
Derzeit gilt, genau abzuwägen, ob sich dadurch wirklich etwas sparen lässt. Bei näherem Hinsehen kommt man zu einem anderen Schluss. Gerade jetzt in der Krise bieten Reisebüros Service-Leistungen zu sehr attraktiven Preisen an. Mit günstigen Buchungspauschalen buhlen sie um die Kunden. Service aus Menschenhand zu guten Preisen - das könnte momentan effektiver und sinnvoller sein als die Umstellung auf Online-Buchung. Das belegen eindrucksvoll unsere aktuellen Projekte.
Wenn ich einen festen Vertrag mit einem Reisebüro habe, zahle ich aber doch die damals vereinbarten Gebühren …
Sicher, aber zurzeit lässt sich so einiges verhandeln, und zudem sehen Verträge eine Kündigungsfrist vor. Mein Tipp: die Gunst der Stunde nutzen und den Reiseetat ausschreiben, denn die Einführung einer Online-Buchungssoftware will gut vorbereitet sein und braucht Zeit. Schnelleres und nachhaltigeres Einsparen ergibt sich jetzt durch Neuausschreibungen und Nachverhandlungen von Reisebüro-Gebühren, Hotel- und Flugraten. Hier ist momentan viel Bewegung im Markt. Deshalb rate ich, jetzt die sehr guten Konditionen für zwei oder drei Jahre vertraglich festzuschreiben und parallel die Umstellung auf Online Buchung vorzubereiten.
Auch Ausschreibungen und Verhandlungen kosten Zeit. Lohnt sich das am Ende wirklich?
Wir haben auf diese Weise gerade für einen Kunden einen fünfstelligen Betrag eingespart. Und sowohl Travel Manager als auch die Reisebüros können sich profilieren: die Travel Manager, da sie Sparerfolge vorweisen, und die Reisebüros, weil sie ihre Prozesse optimieren und ihre Leistung auf Marktgerechtigkeit abklopfen können. Allerdings bedarf es bei Neuausschreibungen einer Gratwanderung: Günstige Preise sind gut, Dumping-Angebote aber abzulehnen. Es besteht die Gefahr, dass die versprochene Qualität nicht gehalten werden kann.
Irgendwann ist die Krise vorbei, und die Reisebüro-Kosten steigen wieder. Ärgert sich dann nicht derjenige, der nicht rechtzeitig auf Internet-Buchung umgestellt hat?
Das lässt sich verhindern, indem man bei einer Neuausschreibung bereits heute die Rahmenparameter und Kosten der jeweiligen Reisebüros für Online-Buchungen abfragt. Ändert sich die Lage, so hat man parallel den Online-Strang bereits aufgezogen und stellt dann schneller um. Für Mittelständler empfiehlt es sich sowieso, Online-Buchungen über eine Reisebüro-Software abzuwickeln. Ein eigenes System zu kaufen und zu installieren rechnet sich wegen der Start- und Implementierungskosten meist nur für große Unternehmen.
Für wen genau rechnet sich denn überhaupt die Online-Buchung?
Das muss jedes Unternehmen sorgfältig analysieren. Wer viele einfache Strecken hat, kann sicherlich sparen. Komplexe Flüge, also Umsteige- und Langstrecken, sollte weiterhin offline das Reisebüro optimieren und ausstellen. Und: Eine Online-Software ist nicht mal eben en passant einzuführen. Nötig ist eine Projektgruppe mit Teilnehmern aus allen betroffenen Abteilungen, ein klarer Buchungsprozess und ein strukturiertes Change Management, um die Mitarbeiter zu überzeugen. Also: Wie erreicht man eine hohe Nutzungsquote? Und wie verhindert man, dass Reisende entgegen der Richtlinie buchen? Auch muss getestet werden, ob die Online-Software wirklich die günstigsten Flugpreise heraussucht. Es wäre kontraproduktiv, via online die Buchungsgebühr zu senken, aber beim Ticketpreis draufzulegen.
Text: Oliver Graue. In: BizTravel; Ausgabe Nr. 4;
September/Oktober 2009; Seite 21