Aus der Presse

„Es wird beim Kommen und Gehen bleiben“

„Es wird beim Kommen und Gehen bleiben“

Liane Feisel, die die Travel-Management-Beratung Feisel Consulting, führt, gibt Antworten auf Fragen zum Wandel im Geschäftsreisemarkt.


Welche Folgen hat die Übernahme von CWT für den Geschäftsreisemarkt?

Liane Feisel: CWT hat den Fokus zuletzt auf multinationale größere Reiseetats gelegt. Daher denke ich, dass für mittelständische Firmenkunden, also das Gros des deutschen Geschäftsreisemarkts, sowie Reisebüros, die mehrheitlich diese Zielgruppe bedienen, die Übernahme keine merklichen Folgen haben wird. Für die Reisebüros ergibt sich die Chance, ein Stück vom Kuchen abzubekommen.

Woran liegt es, dass Anbieter wie CWT verschwinden?

Vermutlich ist es ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, sprich, dass Strategien wie die Fokussierung auf multinationale Accounts und die Technikführerschaft nicht aufgingen. Zudem könnte das Ausscheiden einiger CWT-Urgesteine und der mehrfache Wechsel des Top-Managements zu Verunsicherung geführt haben, was letztlich in summa das durch Corona ohnehin geschwächte Unternehmen zu einem Übernahmekandidaten werden ließ.

Traditionelle mittelständische Büros legen derzeit im Geschäftsreisen-Segment zu. Wie kommt das?
Das Zauberwort heißt persönlicher Service – und zwar, wenn er gebraucht wird. In Zeiten von Corona haben die Reisebüros gepunktet, die für den Kunden erreichbar waren, und das ist den Mittelständlern besser gelungen als den großen Ketten. Auch bei Technik und Innovation müssen sich diese Anbieter nicht verstecken. Ein Beispiel ist die Multi-Source-Lösung Bridge-IT von LCC. Auch haben diese Büros vom Ende von First BT profitiert.

Wo liegt die Chance von digital orientierten Anbietern wie Travelperk, Navan und Lanes & Planes?

Die Chance liegt in der Einfachheit. Die sogenannten Online-Reisebüros sind interessant für Unternehmen mit wenig komplexen und beratungsintensiven Reisen und Prozessen. Zudem bieten sie neue Bezahllösungen und Abrechnungsmöglichkeiten an, verfolgen den End-to-End-Ansatz, konkurrieren also auch mit Concur und Co.

Wie wird der TMC-Markt in einigen Jahren aussehen?

Es wird weiterhin ein Kommen und Gehen zu beobachten sein. Übrigbleiben wird, wer mit der Zeit geht und es schafft die Möglichkeiten von KI für Standard- und Routine-Aufgaben, aber auch für personalisierte Angebote zu nutzen, die Nutzererfahrung zu maximieren und komplexere Aufgaben an Service-Mitarbeiter zu delegieren. Überdies werden Anbieter mit ganzheitlichen und nachhaltigen Mobilitätskonzepten die Nase vorne haben.

In: fvw TravelTalk, Mai 2024

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